Die folgende Rede wurde am 28. Juni 2019 bei der Entlassungsfeier von Sarah Tobien und Jannik Koletzko gehalten.


Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit für diese Durchsage ….ähm Rede

  1. Unser Abimotto ist Circus Abigalli.
  2. Es ist eine große Ehre, dass wir die Abiturrede unseres Jahrgangs hier und heute halten können – also für Sie alle!
  3. Im Respekt gegenüber unseren fleißigen Helfern aus der EF bitten wir Sie eindringlich darum, nach Beendigung dieser Veranstaltung, Ihren persönlichen Horizont zu erweitern, einmal nach links und rechts auf den Boden zu schauen, und den sich dort befindlichen Müll mitzunehmen und natürlich die Stühle hochzustellen.

Nachdem wir diese wichtigen Punkte nun geklärt haben, können wir mit der eigentlichen Rede beginnen, also:
Sehr verehrte Damen und Herren, geschätzte S. Carola, geschätzter Herr Kunert, liebe Eltern, Verwandte, Freunde, Mitschüler und Lehrer. Sehr geehrte Frau Schmidtke, sehr geehrter Herr Ossiek, wir begrüßen Sie ganz herzlich und heißen Sie im Namen aller diesjährigen Abiturienten herzlich willkommen.

… oder wie man auf unserer Schule ganz einfach zu sagen pflegt: Grüß Gott!

Vorab möchten wir schon mal sagen, dass die Messlatte für Reden sehr hoch gelegt wurde und uns klar ist, dass wir rhetorisch da nicht unbedingt mithalten können, aber dafür probieren wir zumindest inhaltlich etwas rauszuholen

– also im Prinzip so wie ich in meinen Englisch-Klausuren…

Und weil das zugleich auch eine ziemlich große und ernst zu nehmende Aufgabe ist, stellvertretend unseren Jahrgang zu repräsentieren, haben wir schon bei der Vorbereitung unserer Rede versucht, uns am Verhalten eines Großteils unseres Jahrgangs zu orientieren…

Wir haben uns also diese Woche flott zusammengesetzt und ein wenig Internet-Recherche betrieben und mit Schrecken feststellen müssen: TheSimpleClub haben gar kein Erklär-Video zum Thema „Wie schreibe und halte ich eine Abirede“ auf YouTube hochgeladen…
Da ist unsere Motivation dann natürlich erstmal auf das gleiche Level wie bei den ungeliebten Nachprüfungen gesunken.

Aus dem Unterricht ist uns dann doch noch irgendwie hängengeblieben, dass man sich bei jedem Text, den man schreibt, an einem roten Faden langhangeln soll. Dafür bietet sich natürlich hervorragend unser Abimotto an. „Zirkus Abigalli“ – und da haben wir uns natürlich als erstes die Frage gestellt: Was macht so einen Zirkus überhaupt aus?

Wer sorgt dafür, dass am Ende eine unvergessliche Show auf der Bühne gelingen kann? Vielleicht erkennt sich ja der ein oder andere von euch in einer der Rollen wieder…

Zunächst braucht es einen Zirkusdirektor, der den leitenden Überblick über das Gewusel behält und klare Durch äh Ansagen macht. In unserem Fall hätten wir uns dafür niemand anderen als unseren Herrn Kunert vorstellen können. Er hat dafür gesorgt, dass unsere Shows immer reibungslos ablaufen konnten.

Dann gibt es die Dompteure, die den teils sicher sehr nervenaufreibenden Job übernehmen, die wilden, lauten, unkonzentrierten, kleinen Biester und Paradiesvögel zu bändigen. An dieser Stelle einmal Grüße und Respekt an all unsere Lehrer!

Ein Zirkus lebt von den Seiltänzern. Sie waren stets zielstrebig und balancierten immer direkt über dem Abgrund und waren stets der Gefahr ausgesetzt tief zu fallen. Einige von ihnen haben am Ende ganz unerwartet Bestleistungen erzielt, andere sind abgestürzt und wieder andere sind zwischendurch abgestürzt und konnten sich doch wieder fangen.

Ein Zirkus lebt von den Visagisten, die es schaffen, den Zirkus selbst bei den härtesten Proben in einem guten Licht nach außen erscheinen zu lassen und die dafür sorgen, dass vermeintliche Fehler und Macken vertuscht werden.

Ein Zirkus lebt von den Trampolinspringern, die immer hoch hinauswollten und immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Eines muss man ihnen lassen: sie probieren es immer und immer wieder, bleiben sich selber treu und stets hartnäckig.

Ein Zirkus lebt von diejenigen, die hinter den Kulissen arbeiten, die nie bei den Shows zu sehen waren, aber ohne die keine einzige Show möglich gewesen wäre.

Und ganz am Ende gibt es natürlich noch die Clowns, die unser hartes Showbusiness ein kleines bisschen erträglicher gemacht haben. Sie haben dafür gesorgt, dass wir all die Anstrengungen zwischenzeitlich vergessen und uns auf die schönen Dinge im Unterricht, also die Witze und Lachnummern, zurückbesinnen konnten.

Was haben wir in den letzten Jahren Showbusiness erlebt?
An dieser Stelle stellen Sie sicher fest, dass unser roter Faden ein bisschen abgerissen und uns kein flüssiger Übergang gelungen ist.

Aber wir haben uns ja schließlich auch nicht ohne Grund gegen den Deutsch-Leistungskurs entschieden… Außerdem haben wir eh viel zu viel gemeinsam erlebt, um es jetzt alles in Worte zu packen. Da reichen noch nicht mal die besten rhetorischen Mittel aus, um das kurz und knackig zusammenzufassen. Wir wollen diese so prägende Zeit dennoch kurz Revue passieren lassen.

Da gab es zum Beispiel die Zeit der Sek1 oder auf normalem Deutsch: Unterstufe. Hier war unser Jahrgang der selbsternannte Spitzenreiter im Klassenbucheinträgesammeln. Gefühlt gab es stufenintern glatt ein Battle um die spektakulärsten Bemerkungen, bei denen Einträge wie: „Alle 32 Schüler haben keine Hausaufgaben“ keine Seltenheit waren.

Es folgten diese Crashkurse zum Löwenbändigen im größten Kaff in ganz Paderborn called „Hardehausen“. Nur doof, wenn man aus einzelnen Löwen am Ende der Woche ein Rudel Löwen zusammengeschustert hat, das den Kakaoautomaten an die Grenzen seiner Kapazität bringt, während der Traumreisen ein Nickerchen macht und mitten in der Nacht im Wald wild Macarena tanzt.

Fazit: Das Löwenrudel ist nachher fast schlimmer als vorher.

Nach der Zeit im Kloster während der 10. Klasse verschwammen dann also endgültig die Grenzen und wir konnten feststellen, dass die Leute aus den anderen Klassen doch nicht ganz so merkwürdig und komisch sind, wie lange gedacht.
Aus vier verschiedenen Klassen, die sich trotz teils klassenübergreifendem Unterricht

irgendwie fremd geblieben waren und ihre vermeintliche „Rivalität“ auch gerne in epischen Fußballturnieren ausgespielt hatten, wurde nun ein Jahrgang, eine Mannschaft, die dank Herrn Ehinger Unerwartetes erreichen konnte.
Unsere Jungenfußballmannschaft wurde damit zum Symbol für den Zusammenhalt unseres Jahrgangs, denn bei wichtigen Spielen standen nicht nur die Jungs allein auf dem Platz, sondern sie wurden angefeuert und unterstützt von einer großen, tobenden Menge ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Ja und über die Sek 2 bzw. Oberstufe gibt es dann auch eigentlich gar nicht mehr so viele Worte zu verlieren. Ich kann eigentlich nur sagen, dass die Zeit sehr hart war. Die Eltern hatten immer noch mit der Pubertät zu kämpfen. Da konnten wir als Schüler auch echt einfach nur hoffen, dass das bald mal ein Ende haben wird und man endlich mal wieder vernünftig mit den Eltern reden kann.

Die Lehrer, ja, sie hatten es eben auch nicht leicht in dieser Zeit. Dieser ständige Redebedarf, diese Unkonzentriertheit und immer wissen wollen, was im Unterricht geredet wird … ja ganz richtig wir reden hier von den Lehrern…

Dazu kamen dann noch diese ganzen 18. Geburtstage ,und Vorabipartys und natürliche noch die ganzen Feiern zwischendurch. Zu guter Letzt hieß es nicht selten, dass zwei solcher Veranstaltungen an einem Wochenende wahrgenommen werden mussten. Ich verstehe Ihr Entsetzen gerade vollkommen. Wer auf die Idee gekommen ist, den Schülern nach so Besäufnis äh besorgniserregenden Wochenenden 5 Tage Schule zuzumuten, muss echt verrückt gewesen sein. Wie wir da überhaupt noch was lernen konnten. Apropos lernen – Was haben wir eigentlich in unserer Schulzeit gelernt?

Welch fabelhafter Übergang…

Wir haben gelernt, dass auch nach dem 2., 3. und 4. Öffnen einer alarmgesicherten Tür in Hardehausen immer noch der Feueralarm ausgelöst wird.

Gleiches gilt übrigens auch für das massenhafte, gleichzeitige Rumsprühen von Deosprays… Was noch…? Mit einer rohen Spaghetti-Nudel ein Hochsicherheitsschloss aufzubrechen, ist keine gute Idee und funktioniert auch nicht.

Wir haben gelernt: Trinkt man in der Stadt 5 Bier, ist man Alkoholiker. Trinkt man auf dem Dorf 5 Bier, ist man der Fahrer.

Wir haben gelernt, dass unser Zeitmanagement immer noch nicht vorhanden ist. Hätten wir damals mal einen Tag mehr Zeit bekommen, dann hätten wir einen Tag später anfangen können.

Wir haben gelernt, dass man auch mit ganz wenig Ahnung aber selbstbewusstem Auftreten manchmal ganz schön weit kommen kann.

(mit dem Finger auf Jannik zeigen)

An alle Beängstigten unter euch, die sich denken „Ohhhh Gott, auf welche Schule ist mein Enkel bloß gegangen, sowas gab es früher aber nicht“… – keine Angst. Wir haben nebenbei auch noch unser Abitur gemacht.

Und keine Sorgen, neben all dem Klamauk, den wir Ihnen gerade erzählt haben, hat unser Jahrgang durchaus auch glänzen können: Wir haben wahre Sprachen-Asse, die ihr Können bei

diversen Fremdsprachenwettbewerben unter Beweis stellten. Wir haben clevere Köpfe, die bemerkenswerte Erfolge bei JugendForscht erzielen konnten. Manche von uns engagieren sich politisch. Andere haben eine bewundernswerte musikalische und künstlerische Ader in sich, die Sie, liebe Zuhörer, beispielsweise eben im Gottesdienst schon beim Vokalensemble genießen konnten oder vielleicht in der Vergangenheit bei einem der vielen Chor-Auftritte und Theateraufführungen gesehen haben. Wir haben also tatsächlich auch schon so einiges auf die Bühne gebracht!

Tja, und wie bei einer jeden großartigen Show – sprich unseren 8 Jahren Schulzeit hier an der Marienschule – gilt es sich natürlich nun auch ganz herzlich bei all jenen zu bedanken, ohne die eine solche Vorstellung gar nicht erst möglich gewesen wäre.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei:

  1. Unserem Schulkonvent und insbesondere Schwester Carola, dass Sie bei so vielen Veranstaltungen immer noch präsent sind und sich um das Wohlergehen der Marienschülerinnen und Marienschüler kümmern.
  2. Unserem Schuldirektor Herrn Günter Kunert, dass Sie uns mit Ihren immer passend drei Minuten vor Unterrichtsende und dem sehnsüchtig erwarteten Pausenklingeln einsetzenden und sehr ausführlichen, die Lehrer absolut aus dem Takt bringenden Durchsagen die ein oder andere Hausaufgabe erspart haben. Dass Sie uns die gesamte Schullaufbahn begleitet haben, für alles ein offenes Ohr hatten und dabei stets die nötige Ernsthaftigkeit an den Tag legten.
  3. Unseren Jahrgangsleitern Frau Schmidtke und Herrn Ossiek, dass Sie trotz aller sich wiederholenden und schon zig mal beantworteten Fragen zum LuPo-Wahlbogen (fast) immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen hatten und sich bestmöglich bemüht haben, uns dabei zu unterstützen. Dass Sie immer für ein nettes Pläuschchen auf dem Gang vorm Lehrerzimmer zu haben waren und bei unserem Jahrgang nicht die Nerven verloren haben.
  4. Unserer Schulsekretärin Frau Oberfeld, die einfach wirklich immer zur Stelle gewesen ist, ganz egal, ob man in der 5. Klasse mit Bauchschmerzen alleine auf die Liege wollte oder in der 9. die halbe Klasse mit „Bauchschmerzen“ auf die Liege wollte, ob man seine Klasse mal nicht gefunden hat und völlig verloren vor dem Sekretariat rumtippelte, den Schlüssel für den Oberstufenraum brauchte, verzweifelt einen bestimmten Lehrer suchte und und und.
  5. Unseren Hausmeistern Herrn Grotjohann und Herrn Trojan, die diese ganze Schule hier professionell und zuverlässig vor ihrem Verfall bewahrt und unter anderem dafür gesorgt haben, dass die 9c damals nicht allzu lange ohne Klassentür Unterricht machen musste, nachdem sie aus Versehen einfach mal aus ihrer Verankerung gerissen worden war.
    Oder dass die Tische zeitig ausgetauscht wurden, nachdem sie unter der Last der Jungs, die meinten sie zu einem Catwalk umfunktionieren zu müssen, kläglich zusammengebrochen waren.
  6. Unseren Eltern und Familien, dass ihr uns auch dann noch ertragen habt, wenn wir miesgelaunt und schimpfend über irgendwelche Lehrer und Noten nach Hause gestampft sind, wenn wir Fragen zu den lästigen Hausaufgaben hatten, wenn wir in der heißen Abi- Phase noch gestresster und impulsiver waren als sonst ohnehin schon… Ohne eure Unterstützung, euren Ansporn oder auch tröstende Schulter ständen wir heute vermutlich nicht hier.

Ganz zum Schluss möchten wir uns kurz nochmal an unsere Mitschülerinnen und Mitschüler wenden: Auch wenn es immer wieder heißt, das Abitur wäre heutzutage ja ach so einfach und jeder würde das schaffen – wir glauben, selbst die Besten unter uns können bestätigen, dass es dennoch mitnichten so einfach ist, im ständigen Kampf mit sich selbst, den Erwartungen der Eltern und der Lehrer, dem Stress und Leistungsdruck in der Schule standzuhalten und zwischen all dem nicht völlig den Kopf zu verlieren.

Es war nicht immer einfach, Schule mit Freunden, Hobbies und Freizeit zu vereinbaren. Es war nicht immer einfach, sich im Jahrgang sowohl vor seinen Mitschülern als auch vor den Lehrern zu behaupten. Es war nicht immer einfach, in Zeiten des absoluten Klausurenstresses einen kühlen Kopf zu bewahren…
Wir alle können deshalb wirklich stolz auf uns sein, dass wir heute, nach 12 langen Jahren harter Arbeit, hier stehen und unser Abiturzeugnis entgegen nehmen dürfen. Wir haben eine wirklich tolle Vorstellung abgeliefert!

Jetzt sollten wir uns freuen auf all die neuen Herausforderungen, Chancen und Erfahrungen, die außerhalb der vertrauten Schule vor uns liegen und gespannt in die Zukunft blicken.
Wir wünschen euch, liebe Jahrgangskolleginnen und –kollegen, für euren weiteren Werdegang in der neu gewonnenen Freiheit viel Erfolg, dass ihr eure Ziele und Träume mit dem nötigen Elan verfolgen werdet, dabei immer Leute an eurer Seite wisst, die euch motivierend und unterstützend begleiten und dass ihr –wenn ihr euch denn ab und an mal an eure Schulzeit hier an der Marienschule erinnert- immer mit einem Lächeln zurückblicken könnt.
Und denkt immer dran: Wenn euch das Leben mal die Zitrone reicht, fragt nach Salz und Tequila!

An dieser Stelle können wir diese Rede nun beenden und sprechen gleich vermutlich auch genau das laut aus, was ein Großteil der Lehrer sich schon lange von uns wünscht und was eventuell auch einige von Ihnen als Zuhörer gerade insgeheim über uns denken: „Geht mit Gott, aber geht!“

Wir verabschieden uns und als kleine Stars verlassen wir alle morgen dann endgültig die Manege…