Der Leistungskurs Geschichte des Jahrgangs Q2 hat sich vom 13.-16. Januar auf den Weg nach Polen gemacht, um die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen. Einige Schülerinnen und Schüler haben ihre Eindrücke in Tagesberichten festgehalten.

Tag 1: Anfahrt und Stadtführung in Krakau

Ein Bericht von Hendrik Wienhues und Max Keilich

Am 13.01. ist der Leistungskurs Geschichte der Q2 in Begleitung von Herrn Ehinger (Kursleiter), Frau Hornjak und unserem Schulleiter, Herrn Kunert am späten Vormittag am Krakauer Flughafen angekommen.

Kraukau gilt unter Polen als ,,Perle Polens“ und ist die ehemalige Königsstatt polnischer Herrscher. Heutzutage ist Krakau das kulturelle und universitäre Zentrum Polens.

Am Flughafen wurden wir von unserer Stadtführerin mit einem Bus abgeholt und ins Krakauer Stadtzentrum gebracht. Während der Busfahrt erklärte sie uns die historisch-kulturelle Vergangenheit Polens und der besonderen Rolle Krakaus. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel begann die Stadtführung an unserer Unterkunft, welche in unmittelbarer Nähe des Zentrums lag.

Da die Weihnachtszeit im streng katholischem  Polen bis in den Februar hineinreicht, präsentierte uns die Stadtführerin eine der vielen landestypischen Weihnachtskrippen, welche, anders als in Deutschland, palastartig aufgebaut und darüber hinaus sehr bunt gestaltet sind. Diese bunte Gestaltung entstand aus einer früheren Materialknappheit, weswegen zeitweise unter anderem buntes Bonbonpapier verwendet worden ist.

Auf dem Weg zum Hauptmarkt schauten wir uns u.a. das Grunwalddenkmal und den Barbakan vor der Stadtmauer an, welche zu den wichtigsten Bauwerken in der Geschichte Polens gehören.

Am beeindruckend großen Hauptmarkt angekommen, erstreckte sich vor uns die gotisch römisch-katholische Marienkirche, welche wir von den Krakauer Tuchhallen aus beobachten konnten und eines der religiösen Zentren der Stadt bildet.

An den Tuchhallen, einer Renaissance-Architektur, welche eines der Hauptsehenswürdigkeiten in der historischen Stadt darstellen, hielt unsere Führerin inne und erklärte uns die damalige Funktion im Europäischem Tuch-Handel.

Die Tuchhallen im Herzen der Stadt

Schräg gegenüber der Marienkirche steht der Rathausturm, der nur noch den Rest des im 13. Jahrhundert erbauten Rathauses darstellt, und bis heute noch besichtigt werden kann.

Anschließend haben wir uns im viereckigen Arkadenhof der 1364 gegründeten Universität Collegium Maius, im alten Universitätsviertel, das Glockenspiel, welches zu jeder ungeraden Stunde ertönt, angehört.

Weiterhin ging es vom Universitätsviertel zum Wawelhügel hoch, wo das alte Königsschloss am Fuße der Weichsel über der historischen Altstadt thront. An dem Schloss liegt die Wawel-Kathedrale der Diözese Krakau. Sie bildet das religiöse Zentrum der Stadt und ist eines der wichtigsten Kirchen in Polen.
Von den Schlossmauern aus sieht man die Weichsel, die einmal durch die gesamt Stadt fließt und den Wawel-Drachen am Fuße des Wawel-Felsens.

Einer alten Sage zufolge lebte ein Drache in einer Höhle am Fuße des Felsen und verschlang nachts Jungfrauen. Durch eine List wurde dem Drachen ein Schaf mit Salz zum Fressen vorgelegt. Der Drache ließ sich täuschen und verschlang das Schaf. Durch das Salz bekam der Drache jedoch einen ungehörigen Durst und lief hastig zur benachbarten Weichsel. Dort trank er hastig große Mengen Wasser und verstarb daraufhin. Somit war die Stadt endlich von dem Drachen befreit.

Nach der Besichtigung des Schlossinnenhofes verabschiedeten wir uns von unserer Führerin und konnten in Kleingruppen eigenständig die Altstadt erkunden, die durch zahlreiche Bars und Restaurants für jeden etwas zu bieten hat.

Tag 2: Besuch des Stammlagers und Auschwitz-Birkenau

Ein Bericht von Branko Jončić und Lucas Lion Alfred

Am Montag, nach einer anderthalb stündigen Busfahrt, erreichten wir Auschwitz I (das Stammlager).

Schon am Eingang des Stammlagers mussten wir zunächst eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Dort wurde uns schon bewusst, dass dieser Ort sehr ernst zu nehmen ist und wir uns angemessen zu verhalten haben. Das Personal wollte hierdurch potenzielles Fehlverhalten, das nicht zu diesem Ort, wo über eine Millionen Menschen ihr Leben verloren haben, gehört, verhindern.

Das Eingangstor zum Stammlager von Auschwitz

Das Vernichtungslager Auschwitz ist in drei Teile unterteilt, nämlich Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz-Birkenau und Auschwitz III. In Auschwitz I wohnte die SS-Führung des Lagers. Außerdem gab es dort zwei Kleinkrematorien, es wurden dort Experimente an Häftlingen durchgeführt, unter anderem durch Dr. Josef Mengele (wurde nicht verurteilt und starb 1979 in Brasilien). Das beinhaltet auch ein Krankenhaus, lagerinterne Gefängnissysteme, Büros und Verwaltungsgebäude, die alle in gleich aussehenden Häuserblöcken unterteilt wurden. Viele Gebäude wurden zu Museen umstrukturiert. Gleich nach dem Eintritt durch das berühmte Tor herrschte in der Gruppe große Stille.

Baracken, in denen die Häftlinge untergebracht wurden

Es wurde, wenn überhaupt, nur vereinzelt geredet. Es gab auch Orte, an denen wir aus Respekt und aus Anerkennung der Trauer gegenüber den Verstorbenen nicht geredet haben wie zum Beispiel das Krematorium und die „Schwarze Wand“. Insgesamt waren wir sehr schockiert darüber wie nahe wir dem damaligem Geschehen sein konnten, da Gebäude, Straßen, Dokumente, Fotos, Kleidung, Privateigentümer und abgeschnittene Haare der Häftlinge im Originalzustand erhalten waren. Das Stammlager erweckte ein Gefühl der Ausweglosigkeit, da man, egal wo man stand, von Häuserblocken und Stacheldrahtzäunen umzingelt war.  Dieses Anzeichen von Entsetzen und Trauer wurden verstärkt durch die eisige Kälte in Auschwitz.

Anschließend besuchten wir Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II), das ca. 3 km entfernt liegt, mit dem Bus. Diese Strecke mussten die Häftlinge jedoch zu Fuß marschieren. Schon aus deutlicher Entfernung konnten wir das weltberühmte Todestor, das zu einem Symbol von Auschwitz wurde, sehen. Auschwitz II umfasst
ein 1,7 Quadratkilometer großes flaches Feld. Als wir die „Rampe“ erreichten, an der die Häftlinge, nach einer langen Reise aus vielen Teilen Europas, hergebracht und selektiert wurden, war rundherum kein Ende zu sehen. Das Lager erschien uns als ein endloses Gebiet mit Holzbaracken und umzäunt aus Stacheldraht. Während wir dort in der eisigen Kälte standen hielten wir ein Gebet, um diesem Ort, wo für alle Opfer das Leid und der Horror angefangen haben, und wo für viele der Anfang vom Ende begann, zu gedenken und unsere Gedanken zu reflektieren. Zudem gingen wir die Strecke, die zu den zerstörten Krematorien führt. Auf diesem Weg wurde eine Vielzahl von Menschen umgebracht. Am Ende dieser Strecke befindet sich heute ein Denkmal, verfasst in mehreren Sprachen, sodass jenes Ereignis für immer in der Erinnerung aller Menschen bleiben kann.

Anschließend erhielten wir eine Führung durch die Holzbaracken, in denen die Häftlinge unter mehr als menschenunwürdigen Verhältnissen leben mussten. Dies war dann das Ende unserer Exkursion in Auschwitz. Nachdem wir im Hotel angekommen waren, saßen wir als Gruppe zusammen und jeder hatte die Gelegenheit seine Gedanken, Gefühle und Eindrücke mitzuteilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Exkursion für jeden ein prägendes Ereignis darstellt, wodurch wir uns unserer historischen Verantwortung im Hinblick auf das Gedenken an die Opfer in der Zukunft bewusst wurden. Außerdem wurde uns insbesondere durch diese Exkursion deutlich, wie viel die heutige Demokratie und das Leben in Freiheit Wert sind und dass es nicht immer selbstverständlich war mit diesen Rechten zu leben. Als kommende Generation müssen wir daher die Verantwortung übernehmen, dass sich ein solches Ereignis in Zukunft nicht wiederholt.

Wir hoffen im Hinblick auf die gewonnen Erfahrungen, dass diese Fachexkursion ein fester Bestandteil des Profils der Marienschule wird.

Tag 3: Führung durch Kazimierz

Ein Bericht von Merit Busch und Patricia Schindéle

In Krakau besuchten wir am dritten Tag unserer Exkursion das jüdische Viertel in Krakau mit der Remuh-Synagoge, das ehemalige Ghettogelände und die Adler-Apotheke.

Im jüdischen Viertel angekommen, beeindruckte uns vor allem die jüdische Architektur. Zu finden waren sehr schöne, verschiedenfarbige Gebäude. Die Gartenzäune der Gebäude hatten als Element den Davidstern, welcher auch auf den Gebäuden zu finden war. In der Mitte des Platzes gab es außerdem einen Gedenkstein. Für uns persönlich war das jüdische Viertel sehr interessant, da wir im Vorfeld den Film Schindlers Liste geguckt hatten und vor Ort die Originaldrehorte betrachten konnten.

Gedenkstein gegenüber der Remuh-Synagoge

Die Remuh-Synagoge war etwas ganz Besonderes, weil die meisten von uns noch nicht viele Synagogen zu Gesicht bekommen hatten und diese heutzutage der religiöse Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde in Krakau ist. Besonders prägend bei dem Besuch war die nachgebaute Klagemauer aus zerstörten Grabsteinen, welche auf dem anliegenden Friedhof zu finden ist. Dieser Friedhof war sehr authentisch und wir konnten den jüdischen Brauch, Steine auf das Grab der Geliebten zu legen, dort vorfinden.

Anschließend machten wir uns auf den Weg in das Viertel, in dem sich von 1941 bis 1943 das jüdische Ghetto befand. Besonders beeindruckend war der „Platz der Ghettohelden“, von dem früher die Deportationen in die Konzentrationslager Auschwitz und Plaszow stattfanden. Heute steht dort das „Denkmal der leeren Stühle“, das zum Nachdenken, Gedenken und Erinnern anregen soll. Direkt an diesem Platz liegt auch die Adler-Apotheke.

Die Remuh-Synagoge

Der ehemalige Inhaber Tadeusz Panhiewicz besaß die Apotheke bereits vor Errichtung des Ghettos und bestand darauf diese während der Ghetto-Zeit weiterzuführen. Sie war Treff- und Kontaktpunkt, an dem Proviant und Arzneien für die Bewohner ausgegeben wurden, Dokumente gefälscht und Verfolgte aufgenommen wurden. Heutzutage ist sie originalgetreu rekonstruiert und eine kleine, moderne Ausstellung informiert gut über die Thematik.

Während wir die Ausstellung besuchten, kam ein älteres, polnisches Ehepaar in die Apotheke und verließ diese direkt wieder, als sie erkannten, dass wir aus Deutschland kommen. Diese Situation unterstreicht unsere heutige Verantwortung der Erinnerung.

Tag 3: Auf den Spuren von Oskar Schindler

Ein Bericht von Luisa Flegaric, Melanie Becker und Sarah Tobien

Bilder auf dem Schreibtisch von Oskar Schindler

65.000 Juden lebten bis 1939 in Krakau, von denen nur 1.200 die Grausamkeiten des Nationalsozialismus überlebten: Diejenigen, die das Glück hatten, auf der Liste Oskar Schindlers zu stehen.

Wir haben uns seine Fabrik näher angeschaut und mehr über den sich immer mehr zuspitzenden Alltag der Juden erfahren.

Die Emalia Oskara Schindlera ist ein staatliches Museum in einem ehemaligen Gebäude der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler in Krakau. Das Museum stellt die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 dar, ein besonderer Schwerpunkt ist das Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto und im Zwangslager Plaszow im Vergleich zu den Beschäftigten in Schindlers Fabrik.

Durch Fotos von Juden in alltäglichen Situationen, einem Kino, das uns durch Zeitzeugen das Geschehene näher brachte sowie ihrer Gefühle, indem sie über ihr Leben in Schindlers Fabrik redeten und wie sie häufig ganz knapp dem Tod entronnen sind.

Unsere Führung nannte die unzähligen Fotos an den Wänden „Momente der Gefühle“ und das waren sie definitiv. Alle Bilder, Zitate, Schriftstücke und die vielen anderen Dinge, die uns in dem Museum begegneten, waren so abwechslungsreich gestaltet worden. Jeder Raum ein hatte seinen eigenen Charakter, eine Geschichte für sich. Eine Reise durch Erinnerungen.

Namensliste der sogenannten Schindler-Juden

Von Fotos über den Kriegsbeginn, über die Entrechtung der Juden, über die Gefängnisse und den Terror in Krakau, den Schwarzmarkt und das alltägliche Leben in Krakau, bis hin zu Schindlers Büro.

In diesem Büro befand sich Schindlers berühmte Liste, die Liste, die für das Leben stand, umgeben von den Emaillewaren, die dieses ermöglichten.

Ein sehr interessantes und beeindruckendes Museum, das uns ermöglichte diese Zeit besser zu verstehen und mitzufühlen.

Jedoch ist es trotz all der Grausamkeit ein tröstender Gedanke, dass es doch, wenn auch nur vereinzelt, Menschen wie Oskar Schindler gab, die ihr Leben für das Leben anderer riskiert haben. Denn man darf nicht vergessen, dass dank ihm heutzutage über 6.000 Juden durch die Generationen seiner geretteten Arbeiter leben können.

Abschließende Worte

Der Leistungskurs Geschichte der Q2 bedankt sich bei allen Menschen, die diese Fachexkursion ermöglicht und unterstützt haben. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle S. Carola und Schulleiter Günter Kunert, die den Wunsch der Schülerinnen und Schüler, diese Exkursion durchzuführen, von der ersten Sekunde an unterstützt haben.

Darüber hinaus möchte der Kurs sich auch beim Förderverein bedanken, der keine Mühen gescheut hat, die notwendigen Formulare für die beantragten Fördermittel zeitnah zu organisieren.

Der Leistungskurs Geschichte der Q2

Für alle Teilnehmer war diese Exkursion eine Erfahrung, die sicherlich ein lebenslanges Ausrufezeichen gesetzt hat, um sich gegen antisemitische und rassistische Strömungen in unserer Gesellschaft zu positionieren.

Dass Auschwitz nie wieder sei.