Begegnung im Zeichen der Menschlichkeit
Am Mittwoch, 6. Mai 2026 erlebte der Jahrgang Q1 der Marienschule den Besuch einer besonderen Zeitzeugin: Ingelore Prochnow kam zur ersten Stunde in den Unterricht. Nach einer kurzen Einleitung von Andreas Becker-Brandt zur Rassenideologie der Nationalsozialisten und der völkerrechtswidrigen Zwangsarbeit in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, erzählte Frau Prochnow ihre sehr besondere Lebensgeschichte, moderierend unterstützt von Anke Brandt.
Sie wurde 1944 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geboren – als Kind einer verbotenen Beziehung. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen verboten und wurden schwer bestraft. Mutter wie auch der polnische Vater kamen in unterschiedliche KZs. Nach der Befreiung lebte Ingelore Prochnow mit ihrer Mutter in einem Flüchtlingslager in Siegen, wo sie im Alter von 3 Jahren von ihrer Mutter zurückgelassen wurde. Sie wuchs bei einer Pflegefamilie in Lemgo auf und lernte mit 17 Jahren Ihren Mann kennen, mit dem sie später eine Familie gründete. Ihre Adoptiv-Eltern untersagten ihr, nach ihrer leiblichen Mutter zu forschen, aber die Frage, wer ihre leiblichen Eltern waren, ließ sie nie los. Als sie 40 Jahre alt war, begab sie sich auf die Suche. Es gab 2 Begegnungen mit ihrer Mutter, die für Ingelore Prochnow eine Enttäuschung waren, da die Mutter keinerlei Interesse an Ingelores Leben zeigte und Fragen nach der gemeinsamen Zeit im KZ und dem Lager auswich. Erst 2011 erfuhr sie den vollständigen Namen ihres polnischen Vaters, der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.
In der Aula hätte man an diesem Morgen eine Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam waren alle Zuhörerinnen und Zuhörer und viele waren so berührt, dass ihre Augen nicht trocken blieben.
Am Ende konnten die Schülerinnen und Schüler noch Fragen stellen, die Ingelore Prochnow ihnen offen beantwortete. Ihre Botschaft war ganz klar und deutlich: All das, was damals geschehen sei an unfassbarem Leid und schrecklichen Taten, dürfe sich niemals wiederholen. Und dies liege an uns allen, an jedem einzelnen von uns. Rassistisch motivierte Gräueltaten wie die der Nazis ließen sich nur verhindern, wenn wir allen Mitmenschen mit Offenheit, Freundlichkeit, Empathie und Menschlichkeit begegnen.
Wir danken Frau Prochnow von Herzen, dass sie an die Marienschule gekommen ist und ihre so bewegende und berührende Lebensgeschichte erzählt hat. Viele Zeitzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gibt es nicht mehr – welch ein Geschenk, dass alle Anwesenden dies erleben durften.
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