Frau Barton stammte aus einer Lehrerfamilie im schlesischen Bärdorf, Kreis Münsterberg und wuchs in einem traditionellen katholischen Milieu mit solider, lebenstauglicher Religiosität auf. Die gymnasiale Schullaufbahn wurde durch die Vertreibung 1946 brutal unterbrochen. Die Familie gelangte nach Warburg, wo der Vater bald eine Dienststelle fand, und die ältere Tochter konnte im Herbst 1946 in die in Bielefeld am Klosterplatz neu gegründete Marienschule der Breslauer Ursulinen in die damit beginnende Untertertia aufgenommen werden. Ende des Schuljahres 1951/52 machte sie in einer kleinen O I schon in Schildesche – das Abitur; es war die erste Reifeprüfung im neuen Schulgebäude, das Schulhaus war erst im folgenden Jahr benutzbar; es wuchs schnell inmitten von Getreidefeldern und Gemüsebeeten, wo die Schülerinnen immer wieder am Nachmittag den Schwestern bei der landwirtschaftlichen Arbeit halfen.

Von 1952 bis 1958 studierte Frau Barton die modernen Fremdsprachen Französisch und Englisch in Münster und Paris/Sorbonne, war in Münster bei Prof. Lausberg ein Jahr „HIWI“ (wissenschaftliche Hilfskraft), nach dem Referendariat (bis 1960) unterrichtete sie zunächst ein Jahr im öffentlichen Schuldienst, bis sie 1961 in der Marienschule als vollbeschäftigte Studienassessorin angestellt werden konnte. Diesen Dienst leistete sie hier bis zu ihrer Pensionierung 1994 mit außerordentlich hohem Einsatz.

Frau Barton arbeitete in den ersten Dienstjahren vorrangig in den Förderklassen für aus den früheren deutschen Ostprovinzen „repatriierte“ Schülerinnen (Englisch) und alsbald im neuen Aufbauzug für Realschulabsolventen, der u.a. mit zwei Fremdsprachen zur vollen Hochschulreife führte. Im Schuljahr 1969/70 arbeitete sie in einem kleinen Kollegen-Team anregend und aktiv an einem hauseigenen Konzept zur Umgestaltung der Oberstufe mit. Sie übernahm bald Koordinierungsverantwortung in dieser Stufe, oft mit zwei eigenen Leistungskursen im Jahrgang – sie war inzwischen zur Studiendirektorin befördert worden.

Frau Bartons wichtigster Akzent ihrer Dienstauffassung lag immer in der Schüler-Zugewandtheit. Sie war freundlich und konsequent in allen pädagogischen Bemühungen, die Bereitschaft ihrer Schüler zum Erlernen und Anwenden von Fremdsprachenkenntnissen zu wecken, zu fördern und durchzuhalten (Vokabeln und Grammatik müssen auch in lebendigen Sprachen gelernt werden). Sie ermüdete nie, wenn sie für diesen Erfolg neue Ansätze erfinden und praktizieren musste. Die Motivations-Initiativen konzentrierte sie auf schulische Projekte, Tagesexkursionen zu fremdsprachlichen Veranstaltungen außerhalb der Schule und vor allem in der Entwicklung der Schulpartnerschaft (ab 1978) mit dem Lyceé
Jeanne d´Arc in Figeac. In diese Beziehung investierte sie – in dichter Kooperation mit Th. Sabatier – enorm viel Zeit und eigene finanzielle Mittel. Der Fachschaft hinterließ sie bei ihrer Pensionierung ein Sparbuch zur weiteren Sicherung der Schulpartnerschaft mit Figeac. Circa 15 Jahre lang begleitete sie persönlich die jährlichen Begegnungen und leistete damit einen großen Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft. Besonders nachdrücklich wirkt bis heute ihre Planung und Durchführung einer Konzertreise des Vokalensembles mit dem Schulleiter G. Kunert in die großartigen Kathedralen von Paris, Chartres, Amiens und Reims in der Erinnerung der Ehemaligen nach. Sie erlebten Frau Barton unmittelbar in der Begegnung mit der Kunst des mittelalterlichen Sakralbaus, der Monumentalskulpturen und der Glaskunst der Fenster; sie erschloss ihnen Form und Inhalt dieser Kunst und erweckte intensives Interesse. Die wiederholten Rückmeldungen der Ehemaligen geben davon beredtes Zeugnis.

Frau Barton blieb der Marienschule und dem Konvent bis kurz vor Ihrem Tod freundschaftlich verbunden, nahm an schulischen Veranstaltungen gern teil und war immer dankbar für das schwesterliche Gebet bei den zunehmenden körperlichen Schwächen.

Wir bewahren Frau Eva-Maria Barton unsere tiefe Dankbarkeit und unseren großen Respekt vor ihrer außerordentlichen pädagogischen und fachlichen Leistung in den 33 Dienstjahren an der Marienschule.

Requiescat in pace.

Für den Konvent der Ursulinen
S. Carola Kahler OSU

Für die Marienschule
Günter Kunert