Es begab sich aber zu der Zeit, als Kaiser Augustus über die ganze Region herrschte, dass er ein Gesetz erließ, dass alle Menschen sich in Steuerlisten einzutragen hätten; ein jeder in der Stadt, wo er geboren war. So kam es, dass auch Maria und Joseph, ein junges Paar aus der jüdischen Provinz Galiläa, sich aufmachten in die Stadt Bethlehem, die in der Provinz Judäa liegt, weil Joseph aus Bethlehem stammte. Maria war schwanger und erwartete ihr erstes Kind. Und gerade als sie nach Bethlehem kamen setzten die Wehen ein. Deshalb machte sich Joseph schleunigst auf, eine Herberge für seine Frau und sich zu suchen. Es könne doch nicht sein, dass das Kind unter freiem Himmel zur Welt käme.

Joseph klopfte beim Wirt des Gasthauses am Ort an. Aber der Wirt konnte ihn und seine Frau nicht aufnehmen, denn zu der Zeit herrschte ein allgemeines Beherbergungsverbot, das der Stadthalter vor kurzem erlassen hatte, so dass niemandem, der aus einer anderen Region kam, Unterkunft gewährt wurde. Nicht einmal etwas zu Essen gab es. Denn er hatte auch sein Wirtshaus schließen müssen; so lautete die Verordnung der Oberen. Da er aber kein Unmensch war und sah, dass für Maria die Zeit der Niederkunft gekommen war, führte er sie in den Stall. Das war erlaubt – denn die Ministerien hatten versäumt eine Verfügung und einen Bußgeldkatalog zu verfassen, was die Unterbringung in Wirtschaftsräumen betraf. Natürlich herrschte im Stall Ordnung, so wie überall zu der Zeit. Denn ein tückisches Virus bedrohte die Menschheit. Deshalb hatten die Oberen in allen Ländern und Provinzen strenge Hygieneregeln erlassen: Maria und Joseph trugen selbstverständlich eine Mund-Nase-Bedeckung. Am Eingang des Stalls stand eine Schüssel mit Wasser, und es gab sogar Seife, so dass jeder, der den Stall betrat, sich 30 Sekunden die Hände waschen konnte. Überall waren Schilder angebracht, in welche Richtung man zu laufen hatte; es war eine Art Einbahnstraßenregelung. Alle 20 Minuten lüften brauchten sie aber nicht, denn es war im Stall schon so zugig genug, weil der Wind durch die Ritzen pfiff.

Hier also kam Jesus zur Welt. Und weil er so klein war, blieb er noch von der MNB verschont. Sie wickelten den kleinen Jesus in Windeln und legten ihn in eine Futterkrippe. Etwas anderes gab es nicht.

Zur selben Zeit waren Hirten auf dem Feld, die hüteten des Nachts ihre Schafe. Da geschah es, dass ein himmlischer Bote zu ihnen kam und ihnen von der Geburt des Kindes erzählte. Durch dieses Kind werde neue Hoffnung, Friede und Mut in die Welt kommen, sagte er. Da sprachen die Hirten untereinander: „Lasst uns schnell nach Bethlehem gehen und nach dem Kind sehen, von dem uns der Bote berichtet hat.“ Sie machten sich eilend auf den Weg. Als sie den Stall gefunden hatten bildeten sie eine Reihe und hielten jeweils mindestens 1,5 Meter Abstand, darum, weil sie natürlich nicht alle aus einem Haushalt stammten. Rein durfte immer nur einer; und selbstverständlich auch immer nur mit MNB. Als sie das Kind sahen rührte es ihr Herz an, und sie gingen hin und verbreiteten die Geschichte in der ganzen Gegend.

Zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, stand übrigens ein großer leuchtend heller Stern am Himmel. Auf den waren Sternendeuter aus dem Morgenland aufmerksam geworden. Die sprachen: „Es muss ein großer König geboren sein. Der Stern zeigt uns den Weg. Lasst uns hingehen und ihm die Ehre geben.“ So zogen sie los und kamen schließlich über Umwege nach Bethlehem. Doch man wollte sie nicht in das Dorf lassen, weil sie aus fremden Ländern stammten. Man erklärte ihnen, sie seien ja viel herumgekommen, hätten Risikogebiete durchwandert und wären im schlimmsten Fall zu Virusträgern geworden. Deshalb mussten die Sterndeuter erst einmal vierzehn Tage in Quarantäne. So kam es, dass sie erst am 6. Januar zu Maria, Joseph und dem Jesuskind vorgelassen wurden. Als die Sternendeuter aber schließlich das Kind sahen, fielen sie vor ihm nieder und beteten es an. Und sie brachten kostbare Geschenke; Dinge, die in jenen Tagen rar geworden waren: Hefe, Nudeln und Toilettenpapier!

Maria und Joseph aber bewegten all das Sonderbare, was sie in jenen Tagen erlebt hatten, auf ewig in ihrem Herzen!

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es wird immer Weihnachten – so oder so! Selbst wenn Corona in diesem Jahr vieles verändert, selbst wenn wir mit Sicherheit anders feiern als die Jahre zuvor! Vielleicht werden wir nicht so viele Verwandte und Freunde treffen können, vielleicht werden wir überhaupt nicht wegfahren. Sogar der traditionelle Heiligabendgottesdienst mit Krippenspiel wird für die meisten ausfallen müssen! – All das ändert aber nichts daran, dass es doch wieder Weihnachten wird!

In unserer diesjährigen Weihnachtsgeschichte war es für Maria und Joseph, für die Hirten, für den Wirt und auch für die Sterndeuter besonders schwierig. Dieses Virus mit all den Regeln und Einschränkungen, die es mit sich brachte, hätte ihnen schon die Freude verhageln können. Aber sie haben nicht aufgegeben. Sie haben weitergemacht, wenn auch in einer etwas abgespeckten Variante. Und letzten Endes haben selbst Quarantäneregeln, Mund-Nase-Bedeckung und Beherbergungsverbot nicht verhindern können, dass es Weihnachten wird und Gott zur Welt kam!

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen! Lasst auch ihr euch von all den Einschränkungen nicht unterkriegen! Vieles, von dem wir gewöhnlich glauben, dass es das Weihnachtsfest ausmacht, ist nur äußerliches. Der lebendige Gott lässt sich nicht aufhalten, egal wie widrig die Umstände auch sind. Und mal ehrlich, im Grunde sind sie das nicht nur dieses Jahr, sondern jedes Jahr; irgendwo auf der Erde.

Habt Vertrauen! Tragen wir unseren Teil dazu bei und machen das Beste daraus. Ich bin sicher: Gott lässt auch im Coronaweihnachten 2020 finden. Amen.

Kerstin Stille